Wir haben euch das Demo 8 vor einiger Zeit vorgestellt, und bringen jetzt für euch den dazugehörigen Test. Unterschiedliche Fahrer hatten die Möglichkeit das Bike zu testen und hier gibt’s nun das Ergebnis.

Nach wiederholten Testfahrten, auf unterschiedlichen Strecken im Frühjahr und im Frühsommer, haben wir das Demo 8 sowohl auf trockenen, steinigen Trails an der Ligurischen Küste, sowie auf tief schlammigen DH Strecken in Tirol bewegt und dadurch einen deutlichen Eindruck von dem Bike erhalten.

Ihr erfahrt hier, was wir generell von dem Bike halten, was es zu Funktionalität zu sagen gibt, wo die Stärken des Bikes liegen usw.

Bike Vorstellung auf MTB-Freeride.TV

VERARBEITUNG / KONZEPT 

Wenn man das Bike so vor sich stehen hat, scheint einfach alles harmonisch zu fließen. Der „Hydrogeformte“ Rahmen wirkt weich in seiner Form. Einer der Tester meinte: „Das sieht aus als wäre es aus Gummi und würde nie ein Geräusch von sich geben“.

Fangen wir vorne an. Die farblich passende Boxxer WC gehört bei der Preisklasse des Bikes sicher dazu. Das kurze Steuerrohr bringt den Lenker tief was einen „agressiveren“ Fahrstil begünstigt. Der große Abstand zwischen Achse vorne und Tretlager macht das Bike an der Front sehr lang.
Der Dämpfer ist tief positioniert und die Einstellung von Kompression und Rebound ist leicht zugänglich. Allein den Luftdruck im Piggyback, muss man anpassen wenn der Dämpfer ausgebaut ist.

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Der Shock Extender mit den Lagern erlaubt ein sensibleres Ansprechverhalten und ist meiner Meinung nach an den Drehpunkten an denen sich der Dämpfer für gewöhnlich mehr bewegt, eine sehr sinvolle Alternative zu den DU Bushings.
Die Geometrieverstellung am Extender ist ein nettes Feature, wurde von uns aber nicht wirklich genutzt. Mit der flacheren, tieferen Geometrie kamen alle gut zu recht.
Der Hauseigene Kettenschlagschutz ist ein schönes Detail, aber in diesem Fall auch wirklich wichtig, da der Hinterbau dermaßen kompakt und eng ist, dass bei einem selbst gebauten Schutz die Kette schleifen würde.

Die Achse hinten mit dem eigenen Schaltwerkschutz, ist gute Hardware und macht Sinn an diesem Bike. Die Komponenten im Allgemeinen sind stimmig und absolut hochwertig.

Die Etwas spezielle Geometrie des Specialized Demo, mit der kurzen Kettenstrebenlänge, der niedrigen Überstandshöhe, und dem Langen Reach ist leicht gewöhnungsbedürftig. Vermittelt bei der Medium Rahmengröße zuerst aber ein Gefühl der komfortablen Länge. Erst bei den Testfahrten, merkten wir (zwei Tester über 180 cm) dass die M Größe doch etwas klein war.

Was die Aussage von vorher angeht, trifft sie nicht ganz zu. Das großvolumige Unterrohr im Bereich des Innenlagers, fungiert als Resonanzkörper und bildet eine nicht allzu störende Geräuschkulisse.

DER TEST

Wir haben das Bike vier verschiedenen Fahrern untergeschoben, in welche wir Vertrauen setzten ein aussagekräftiges Feedback zu bekommen. Diese repräsentieren verschiedene Fahrcharaktere und Zugang zum DH Sport.
Ich möchte diese hier kurz definieren.

AMBITIONIERTER HOBBY DOWNHILL RACER (RIDER A)
  • Fährt Regelmäßig Bikepark DH Strecken, trainiert seit einigen Jahren, auf verschiedenen DH Bikes unterwegs, nimmt an kleineren Rennserien Teil (IXS Cup, usw.)
ZWEIRADFANATIKER (RIDER B)
  • Ist von Rennrad bis zum DH Bike auf allem unterwegs was man als Fahrad bezeichnen mag. Betreibt den Sport leidenschaftlich seit etwa zehn Jahren und bestreitet Wettkämpfe in allen Disziplinen
MOUNTAINBIKE DH PROFI (RIDER C)
  • Ist seit 16 Jahren DH Profi, hat die Evolution der DH Bikes erlebt wie nicht viele andere, Fahrwerkstüftler, Mitentwickler und weiß einfach worum es geht
ENDURO RACER, FREERIDER (RIDER D)
  • Fährt seit einigen Jahren Moutainbike, Hauptsächlich die Enduro Kategorie, hat das Privileg auf vielen verschieden Bikes unterwegs zu sein. Ist jede freie Minute auf dem Bike unterwegs. Ausgebildeter Tourguide / Fahrtechniktrainer

 

GESTEST WURDE IN

 

  • Bike Park Hopfgarten
  • Sowie bei uns daheim im Zillertal

All diese Fahrer haben das Bike mittels eines Testprotokolls bewertet. Dabei zielten die Fragen auf drei Hauptgesichtspunkte ab. Diese sind:

GESAMTEINDRUCK

Optik, Verbaute Komponenten, Erster Eindruck, Harmonie, Balance und Einstellbarkeit der Federelemente

PERFORMANCE FAHRWERK

Anforderungen an das Fahrwerk in den verschiedensten Lagen, High Speed, Sprünge, Kurven Grip, Performance beim Bremsen usw. …

HANDLING

Dabei zielten die Fragen hauptsächlich auf die Geometrie in den verschiedensten Situationen ab. Beispielsweise unterschiedliche Geschwindigkeiten, Steilheiten und Kruvenradien waren das Thema usw.

FUNKTIONALITÄT

Das bewährte FSR Fahrwerk des Demo´s wurde in einigen Punkten überarbeitet. Der Längere Dämpferhub und die veränderten Positionen der Drehpunkte beeinflussten das Leverage Ratio (Übersetzungsverhältnis). Damit konnten die Ingenieure dem Fahrwerk die Kennlinie verpassen, die sie wollten.

Mit einer 400er Feder im Medium Bike war der Hinterbau, soft genug um den Federweg schön zur Verfügung zu stellen. Über die Einstellung der Low und Highspeed Compression, sowie des Bottom Out, konnten wir nach unseren Vorlieben tunen.
Die Performance bei unterschiedlichen Anforderungen, war im Großen und Ganzen sehr gut. Spezielle Stärken sind unseres Erachtens ruppige Strecken, welche mit jeglicher Steilheit in einem mittleren Tempo gefahren werden können. Bei kleineren, schnellen Schlägen funktioniert das Fahrwerk bis zu einem Gewissen Punkt auch sehr gut, aber wie Marcus das erwähnt hat man bei schnelleren Passagen mit kleinen bis mittleren Schlägen (beispielsweise Bremswellen) hin und wieder das Gefühl, man bekommt einen kleinen Kick des Hinterbaus. Was eher bei hohen Geschwindigkeiten zu spüren war und etwas Nervosität in das Bike bringt.
Tiefer Löcher, sprich starke Kompressionen lassen das Demo nahezu unbeeindruckt.

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Während eines Bremsvorganges, macht der FSR Hinterbau, das was er soll, nämlich aktiv weiterarbeiten.
Sprünge mit flachen Landungen und Kompressionen steckt das Demo souverän weg.

Der Vortrieb des Bikes ist nicht schlecht für ein DH Bike. Das Farhwerk nimmt einem nicht zuviel Speed, was nicht bedeutet, dass hin und wieder ein paar Pedalumdrehungen nötig sind um am Gas zu bleiben.
Bei Steilpassengen hatten wir das Gefühl, dass das Fahrwerk ebenfalls fein arbeitete. Das klingt vielleicht sonderbar, aber wenn in Steilpassagen viel Druck am Vorderrad lastet, hat man hin und wieder das Gefühl dass zuwenig Gewicht am Heck liegt sodass dieses anständig arbeiten könnte. Dies trifft nicht auf das Demo zu.

Zum Fahrwerk dazu gehört auch die Gabel, und in diesem Fall die Boxxer WC Solo Air. Die zahlreichen Einstellmöglichkeiten in Verbindung mit der Solo Air Kartusche, machen es nicht gerade zum Kinderspiel das Ding richtig eingestellt zu bekommen. Da eine Veränderung des Luftdrucks wesentliche Auswirkungen auf sämtliche Compressions Einstellungen, sowie den Beginning Stroke und Ending Strokke Rebound hat, sei euch geraten, beschäftigt euch ausführlich damit. Beim Setup hilft euch der Tuning Guide!
Nach einer doch etwas längeren Phase des „Einfahrens“ funktionierte die Gabel einwandfrei.  Einige Tester hätten aber eine Stahlfedervariante, der der Solo Air vorgezogen. Das geringe Gewicht ist also nicht alles.

HANDLING  

Das Handling eines Bikes ist sehr von der Geometrie abhängig. Da gibt es zum Specialized bei der speziellen Geo einiges zu sagen.

Das tiefe Oberrohr, also die geringe Überstandshöhe bietet viel Platz für Bewegung am Bike. Der lange Reach veleiht einem das Gefühl immer schön mit dem Oberkörper nach vorne orientiert zu fahren. Das bringt etwas mehr Druck am Voderrad. Welcher auch nötig ist. Denn durch die kurzen Kettenstreben steht man relativ weit hinten am Bike.
Insofern man nicht überlange Arme hat, ist alles im grünen Bereich, ansonsten könnte das Gefühl entstehen man „hockt“ mehr am Hinterrad.
Bei normalen Proportionen und der richtig gewählten Rahmengröße liegt der Körperschwerpunkt schön „im“ Bike.

Der tiefe Schwerpunkt des Rades, vermittelt ein ausgezeichnetes Kurvenfeeling. Es fällt einen leicht, dem Bike Neigung zu geben, sowie es nach der Kurve wieder vertikal zu bekommen.

Notiz nimmt man davon auch bei Sprüngen, in welche man mit mehr Selbstvertrauen geht, da man das Bike mehr zwischen den Knien „spürt“ als eine Region höher.
Mit dem tiefen Tretlager ist man nach einer kurzen Eingewöhnungsphase vertraut. Die richtige Peadalstellung wird dabei wichtiger, da die „falsche“ fast immer mit Kontakt zum Untergrund führt.

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Der lange Radstand gibt einem an und für sich Sicherheit auf schnelleren Abschnitten, sowie in längeren Steilpassagen. Was das Bike bei High Speed dennoch etwas nervös machte, ist unseres Erachtens nach der Kurze Hinterbau. Da die meisten der Tester bei hohen Geschwindigkeiten mit dem Körperschwerpunkt  wahrscheinlich doch eher nach hinten orientiert gefahren sind, und somit einen wesentlicher Anteil des Gewichts auf dem Hinterrad lastete, trug eventuell die kurze Kettenstrebenlänge leicht negativ dazu bei.

Sogleich möchte ich aber die sehr positiven Eigenschaften der kurzen Kettenstrebenlänge erläutern. Diese war etwas, was allen Testern schnell und deutlich auffiel. Bei kurzen bis mittellangen Radien, brauchte man das Bike nur leicht in die Kurve drücken und schon zog es bereitwillig und wie auf Schienen um Eck. Holprige, enge bis mittellange Kurven wurden mit dem Bike zum Kinderspiel, was bei dem langen Radstand überraschend war, aber sehr positiv aufgefallen ist.
Der Hinterbau arbeitet in diesen Situationen sehr gut, sodass fast kein wegrutschen, oder ausbrechen des Hinterrads vorkam.
Weiters macht diese Geo Eigenschaft das Bike etwas verspielt. Es fällt meinem leicht das Vorderrad aus der Kurve hinaus anzuheben und in den Manual zu kommen.

Ganz Allgemein hat das geringe Gewicht auf allerhand Situationen einen positiven Einfluss. Das Handling verbessert sich bzw.  wird einem erleichtert. Sowohl was Kurven als auch Sprünge betrifft, man nicht das Gefühl übermäßig viel arbeiten zu müssen.

TESTURTEIL

 
Gesamte Testtruppe:
Gesamteindruck 9,0 / 10
Performance Fahrwerk 8,8 / 10
Handling 8,5 / 10
Rider A
Gesamteindruck 9,6 / 10
Performance Fahrwerk 9,3 / 10
Handling 8,7 / 10
Rider B
Gesamteindruck 8,5 / 10
Performance Fahrwerk 9,5 / 10
Handling 8,7 / 10
Rider C
Gesamteindruck 8,8 / 10
Performance Fahrwerk 7,7 / 10
Handling 7,6 / 10
Rider D
Gesamteindruck 8,6 / 10
Performance Fahrwerk 8,7 / 10
Handling 9,0 / 10

 

FEEDBACK VON DOWNHILL PROFI MARCUS KLAUSMANN

Wie ihr es vielleicht schon vermutet habt, war der Profi unter den Testern, der 14 – fache deutsche Meister im Downhill und Weltcup Routinier Marcus Klausmann. Erfahrt hier im Interview mit ihm was er von dem Demo hält und beachtet seine Tipps. Denn der Mann weiß wovon er spricht.  Seine Bewertungen weichen leicht von den Durchschnittswerten der gesamten Testtruppe ab. Dies ist halt sein spezielles Feedback.

RESUMÉE  

Wahrhaftig gelungen! Die Weiterentwicklung des Demo zum Race DH Bike hat funktioniert und wird viele unter euch begeistern.
Ein funktionierendes Hinterbausystem gepaart mit einer Geometrie bringt ein Bike, welches seine Stärken auf technischen Strecken mit kurzen bis mittelangen Kurven und nicht allzu vielen flachen Passagen voll ausspielen kann. Je nach dem, eignet sich das Bike für eine Fahrweise, wie soll es anders sein, a la Sam Hill. Wer es auch bei DH Race Waffen etwas verspielt haben will liegt beim Demo absolut richtig.

Sinnvolle Details am Rahmen zeigen wie sehr man an den Rider denkt und versucht ihm das Leben/Fahren und alles drum herum leichter zu machen.

Die verbauten Komponenten am Bike sind für viele unter euch Geschmacksache, wir kamen mit allem gut zu Recht, freuten uns über den breiten Standard Lenker, die Custom Avid Bremsen, sowie ziemlich gute Laufräder.

ZUSAMMENGEFASST

  • Top Ausgestattetes DH Race Bike
  • Stärken liegen auf technischen Strecken, mit engen bis mittellangen Kurven
  • Leicht verspielte Geo, für Fahrstile die man als „loose“ bezeichnen könnte
  • In Anbetracht der verbauten Teile, bei UVP 5199,00 € gutes Preis Leistungsverhältnis

 

STATEMENTS ZU DEM BIKE

Eines der Besten Bikes die ich je gefahren habe.
Ein Fahrer würde sich das Bike sofort zulegen.
Des geht um die Kurven wie a Glöggerl!

Seit der Präsentation des Bikes und der Markteinführung ist schon einiges an Zeit verstrichen. Wir haben uns für das Ganze aber bewusst diese Zeit genommen, da wir sehr hohe Ansprüche an uns selbst haben, und es sollte so gut wie möglich werden. Für uns gilt es nächlich, einiges mehr an Content (audiovisueller Naturt) zu produzieren, als wie vergleichsweise für unsere Kollegen vom Print.
Wir danken euch für eure Geduld und hoffen euch gefällt womit wir sehr zufrieden sind.

CREDITS

Einen Herzlichen Dank an Freelap, die uns eine Zeitmessung für den Test zur Verfügung gestellt haben.

Gefahren wurde dieses und alle weiteren Bikes mit Schwalbe Muddy Mary DH 2,35 Zoll Trail Star Compound Reifen. Dafür möchten wir uns bei Michael Kull von Schwalbe Racing Tyres herzlich bedanken.

Unser Dank gilt vor allem Sebastian und Specialized die uns das Bike für diesen Zeitraum zur Verfügung gestellt haben.

DANKE!

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