Unser MTB-Freeride.TV Teamrider und DH Pro Marcus Klausmann ist bereits mit dem 2012er Modell unterwegs, wir haben für euch durch die Saison hinweg das Ghost Northshore DH 2011 ausführlich getestet.

Genauso wie mit den anderen Bikes in unserem Test, musste das Ghost auf den verschiedensten Strecken mit den unterschiedlichsten Charakteren bestehen. Der „Sommer“ in Mitteleuropa bescherte dem Hobel genügend „Dreckschlachten“ sowie unser Testtrip im Frühjahr nach Finale Liguré staubig steinige Trails. Auch hier war die Testcrew fleißig, und setzte sich mit dem Bike auseinander.

Was ihr in diesem Testbericht nicht finden werdet, ist das Profi Feedback von Marcus. Wir waren froh, dass er uns Feedback zu anderen Bikes geben konnte, so ließen wir das Ghost, um absolut Glaubwürdig zu bleiben, hierbei außen vor.

VERARBEITUNG / KONZEPT

Finale Liguré ( vielen Dank an Silvia und Mark von Finale Freeride )

Beim ersten Betrachten des Bikes, fällt die Umlenkrolle „Bogey Roll“ natürlich ungewohnt auf. Auch dadurch, dass es kein Vorgängermodell gibt und beim Ghost die Form der Funktion folgt ist das Antlitz des Bikes, gewöhnungsbedürftig.
Das Voluminöse Unterrohr lässt das Bike massive aussehen, ohne aber klobig zu wirken, dank modernstem Hydroforming. Doch nun der Reihe nach.

Die Fox 40er sorgt am „Front End“, in Verbindung mit dem 1,5 Zoll Steuerrohr, für Federung, Dämpfung und Steifigkeit.
Verbaut ist keiner, jedoch lässt sich Steuersatz mit Geometrie Anpassung nachrüsten.
Das hydrogeformte Alu des Hauptrahmens, zieht am Oberrohr tief um genügend Bewegungsfreiheit zuzulassen.

mtb_freeride_tv_dh_2011_Shooting_GHOST_Nortshore_DH_Komplett

 

Kommen wir zum Herzstück. Der Hauptdrehpunkt ist sehr Hoch positioniert, was dem Bike ein interessante Raderhebungskurve beschert. Das Hinterrad kann auch nach der SAG Position, nach hinten ausweichen und nicht nur nach oben, wie es bei den meisten Bikes der Fall ist. Vor der 142er Hinterrad Achse kommt noch ein Horst Link zum Einsatz. Das „Dropout“ selbst ist eine geschmiedete Form, die im Gegensatz zu einer gefrästen eine höhere Strukturelle Festigkeit aufweist.

Der Rocker Umlenkhebel ist ebenso eine Gussform, bei der die beiden Seiten jedoch miteinander verschraubt sind. Sowohl das niedrige Hebelverhältnis des Rockers als auch das „Leverage Ratio“ des langen Fox Dämpfers, welcher mit 267 mm Einbaulänge, der längste verfügbare ist, hört sich super interessant an. Im Gegensatz zu normalen Dämpferaufnahmen, ist er Dämpfer am Rocker mit einem Nadellager versehen, was die Reibungswerte um ein vielfaches reduziert. Das während der Fahrt zu überwindende Losbrechmoment senkt sich dadurch spürbar.

Durch den hohen Schwingendrehpunkt ist die „Bogey Roll“ notwendig, bringt aber weitere Vorteile mit sich. Durch den Einsatz der Rolle, geht die Kettenverlängerung gegen Null und ermöglicht eine frei arbeitende und aktive Federung.

Kleine Details könnten in der Verarbeitung noch etwas „schöner“ sein. Und auch im Aufbau sehen wir Ansätze. so ist die Einbaubreite mit den 142mm für ein DH Bike nun fast schon wieder schmal, aber in Verbindung mit dem Hinterbau doch steif genug. Die DT Swiss Schraubachse mit Schnellverschluss mag zwar Pratkisch sein, ist aber für DH fehl am Platz. Der Drehbügel steht ab, als Gehöre es nicht dazu.

DER TEST

Wir haben das Bike verschiedenen Fahrern untergeschoben, in welche wir Vertrauen setzten ein aussagekräftiges Feedback zu bekommen. Diese repräsentieren verschiedene Fahrcharaktere und Zugang zum DH Sport.
Ich möchte diese hier kurz definieren.

AMBITIONIERTER HOBBY DOWNHILL RACER (RIDER A)
  • Fährt Regelmäßig Bikepark DH Strecken, trainiert seit einigen Jahren, auf verschiedenen DH Bikes unterwegs, nimmt an kleineren Rennserien Teil (IXS Cup, usw.)
ZWEIRADFANATIKER (RIDER B)
  • Ist von Rennrad bis zum DH Bike auf allem unterwegs was man als Fahrrad bezeichnen mag. Betreibt den Sport leidenschaftlich seit etwa zehn Jahren und bestreitet Wettkämpfe in allen Disziplinen
ENDURO RACER, FREERIDER (RIDER C)
  • Fährt seit einigen Jahren Mountainbike, Hauptsächlich die Enduro Kategorie, hat das Privileg auf vielen verschieden Bikes unterwegs zu sein. Ist jede freie Minute auf dem Bike unterwegs. Ausgebildeter Tourguide / Fahrtechniktrainer
GETESTET WURDE IN

 

  • Bike Park Hopfgarten
  • Sowie bei uns daheim im Zillertal

All diese Fahrer haben das Bike mittels eines Testprotokolls bewertet. Dabei zielten die Fragen auf drei Hauptgesichtspunkte ab. Diese sind:

GESAMTEINDRUCK

Optik, Verbaute Komponenten, Erster Eindruck, Harmonie, Balance und Einstellbarkeit der Federelemente

PERFORMANCE FAHRWERK

Anforderungen an das Fahrwerk in den verschiedensten Lagen, High Speed, Sprünge, Kurven Grip, Performance beim Bremsen usw. …

HANDLING

Dabei zielten die Fragen hauptsächlich auf die Geometrie in den verschiedensten Situationen ab. Beispielsweise unterschiedliche Geschwindigkeiten, Steilheiten und Kruvenradien waren das Thema usw.

FUNKTIONALITÄT

PERFORMANCE FAHRWERK

Wir waren alle sehr gespannt auf die komplett neue Plattform des Ghost. Das Hinterbau System und die Geo Daten ließen ja einiges erwarten.

Wir hatten, beim Ghost für die einzelnen Fahrer, verschiedene Federn mit unterschiedlichen Härten.
So fühlte sich das Northshore DH immer schön soft an, ohne jedoch durch zu sacken. Die Einstellung der Low Speed Compression am FOX DHX RC2 wurde ein paar Klicks von der komplett offenen Position zugedreht. Bei den Testern gab es beim Tuning, außer der Federhärte keine Groben Abweichungen.

Was als erstes Auffiel, war, dass das Ghost bei der Anfahrt zur Gondel oder zur Shuttle Base, einiges mehr Energie benötigte als die anderen Bikes im Test. Dies machte sich dann auch auf den Teststrecken bemerkbar. Sobald man das Bike mittels Pedalumdrehungen beschleunigen musste, was das Resultat schon vorhanden, allerdings ist die Tret-Effizienz beim Northshore DH nicht die Beste.

mtb_freeride_tv_dh_2011_Shooting_GHOST_Nortshore_DH_Hinterbau

 

Das Fahrwerk des Ghost ist so möchten wir sagen wirklich fürs grobe bestimmt. Die steife Fox 40 an der Front räumt so fast alle Unebenheiten aus dem Weg die ein DH Track bereitstellt. Der Hinterbau ist schluckfreudig und nimmt was man ihm gibt. Ruhige Passagen oder ein mittleres Tempo werden fast „langweilig“. Das Bike will am Boden bleiben, und das spürt man umso deutlicher, desto schneller und gröber das Gelände wird. Bei tiefen Löchern, schnellen Schlägen arbeitet das Ghost sensationell. Es vermittelt einem ein sehr sicheres Gefühl. Der Hinterbau schaukelt sich nicht auf oder schlägt unerwartet aus.
In steilen Passagen, in denen die Bremse unweigerlich gezogen werden muss, vielen uns keine negativen Einflüsse auf die Performance auf. Selbst bei steilen Wurzelpassagen, verlor das Hinterrad so gut wie niemals Traktion und man konnte sich ständig auf die Linie konzentrieren.

Was für den DH Einsatz, oder den ruhigen Fahrstil von Vorteil ist, mindert natürlich etwas die Eigenschaften für den Bikepark oder die verspielte Fahrweise. Wer gerne Passagen „gaped“ oder am Kurvenausgang das Vorderrad in der Luft haben möchte, muss viel arbeiten. Das Fahrwerk gibt einem nicht so viel zurück und „bügelt zu konsequent“, als dass einem leicht einen „Bunny Hopp“ rausrutscht.

HANDLING

Beim Handling liegen, falls man es so sagen möchte die „Schwachstellen“ des Bikes.

Zum einen ist hier die Geometrie, als auch der Schwerpunkt des Bikes ausschlaggebend. Gewisse Features wie der Steuerwinkel wurden für das Modelljahr 2012 aber bereits verbessert.

Zum 2011er Bike, das hohe Cockpit fühlt sich in Steilpassagen sicher an, lässt einem bei flachen Abschnitten hoch über dem Bike thronen. Falls man die Brücken der Gabel auf ein Minimum nach unten setzt, wird der Lenkwinkel von 64° natürlich noch steiler.

mtb_freeride_tv_dh_2011_Shooting_GHOST_Nortshore_DH_Rahmen

 

Die doch etwas langen Kettenstreben fordern den Fahrer. Besonders in engen Kurven sollte man auf eine saubere Linie achten, da das Bike nicht gerade von selbst um die Kurve flutscht. Diese Geometrie Feature gibt einem, unseres Erachtens jedoch Sicherheit auf ruppigen Highspeed Passagen.
Was uns weiters aufgefallen ist, dass durch den steilen Lenkwinkel und den etwas höheren Schwerpunkt, das Bike ab einem gewissen Neigungswinkel in die Kurven kippt, und man etwas an Aufwand hat, das Bike wieder in eine neutrale Position zu bekommen.

Der Radstand des Bikes in trotz der langen Kettenstrebe nicht so lang wie andere Bikes im Vergleich. Das bewirkt, dass der Fahrer sich doch sehr mittig im Bike befindet und somit aggressiv nach vorne arbeiten kann. So gesehen lässt man eine harmonische Federperformance zu und muss das Bike nicht zu sehr über Hinter oder Vorderrad steuern.

TESTURTEIL

Gesamte Testtruppe:
Gemsamteindruck  8,9/10
Performance Fahrwerk   9,1/10
Handling    8,3/10

Rider A 
Gemsamteindruck  8,7/10
Performance Fahrwerk   9,1/10
Handling    8,3/10

Rider B
Gemsamteindruck  9,5/10
Performance Fahrwerk  9,3/10
Handling    8,1/10

Rider C
Gemsamteindruck  8,5/10
Performance Fahrwerk   8,9/10
Handling    8,3/10

Finale bike test

 

RESUMEÉ

  
Das Ghost liegt sehr ruhig auf der Strecke, bei einem guten Setup klebt das Bike am Boden, arbeitet stetig zuverlässig und verschafft dem Fahrer Sicherheit.
Das insgesamt steife Konzept, macht das Ghost zu einer präzisen Waffe. Gewichtstechnisch bietet das Bike Ansätze zur Optimierung und Reduktion. Die Allgemeine Eigenschaft, dass das Bike mehr gefahren werden will, und sich nicht so spielerisch verhält, machen es zu einer guten Wahl für den ambitionieren DH Racer. Das Spaßbike für den Bikepark ist es nicht, das sollte klar sein.

Mit einer absolut Soliden Ausstattung ist das Bike im Vergleich bei Preis Leistung absolut voran. Die Komponenten sind für den Einsatzbereich passend und zum Teil auch recht edel, wie etwa die Tune Naben in den Laufrädern.
Die Federeinheiten sind top, auch wenn der ein oder andere sich einen DHX RC4 wünscht, es arbeitet auch so sehr gut.

Leichte Abzüge, gibt es bei der Optik für das Motto „Form follows Funktion“. Das wird nicht jedem gefallen. Bei Farbgebung hätte man noch etwas herausholen können, sowie einige wenige „Ghost“ Schriftzüge hätten durchaus gereicht. Es muss nicht an jedem Rohr mindestens fünfmal drauf stehen.

An der Geo wurde für das Nachfolgermodell gearbeitet, so dürfen noch mehr vom „Ghost Downhiller“ für 2012 erwarten.

ZUSAMMENGEFASST

 

  • Solide Ausgestattetes DH Race Bike zum guten Preis
  • Stärken liegen auf technisch steilen Strecken. Je gröber die Löcher, desto besser fährt das Ghost DH
  • Für den ruhig kontrollierten Fahrstiel geeignet

 

STATEMENTS ZUM BIKE

Des Ding bügelt alles weg, komme was wolle.
Also würde man auf der Couch sitzen.
Preis-Leistung ist super, aber gefallen tut’s mir nicht

CREDITS

Einen Herzlichen Dank an Freelap, die uns die Zeitmessung für den Test zur Verfügung gestellt haben.

Gefahren haben wir auch hier auf diesem Bike Schwalbe Muddy Mary DH 2,35 Zoll Trail Star Compound Reifen. Vielen Dank an, wie wir ihn liebevoll nennen, den Schwalbe Dude a.k.a. Michael Kull von Schwalbe Racing Tyres.

Und ganz besonders danken wir Jens, von Ghost Bikes die das Bike bereitgestellt haben.

DH Bike Test: Ghost Northshore DH 2011
Verarbeitung / Konzept 8
Perfomance Fahrwerk9
Handling9
Resumeé8
8.5Gesamtwertung
Leserwertung: (3 Votes)
8.9

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